Dauerhaft besser Mountainbiken mir mit Online-Fahrtechniktraining? Wenn es nach Rafaella Wieschollek alias Roxy geht, auf jeden Fall. Gemeinsam mit Bernhard Havelka betreibt sie die Coaching-Plattform „roxybikeonline“ mit dem Anspruch, Mountainbikerinnen und Mountainbiker jeden Alters fahrtechnisch in andere Sphären zu führen.
Wir unterhielten uns mit der gebürtigen Zyprerin über das Konzept, ihre Firma und ihre weiteren Pläne.
Warum ist ein online-basiertes Training besser als der klassische Fahrtechnik-Kurs?
Rafaella Wieschollek: „Ganz einfach: weil man zeitlich flexibel und ohne negative Gruppendynamik direkt vor der Haustüre üben kann und seinem Körper und Gehirn die Zeit gibt, die sie nun mal brauchen, um als Erwachsener wirklich Skills zu lernen.“
Du hältst also wenig von halb- oder ganztägigen Fahrtechnik-Kursen?
Rafaella Wieschollek: „Jein. Jeder Kurs ist besser als kein Kurs. Trotzdem: Mountainbiken ist eine der wenigen Sportarten, bei denen der Irrglaube weit verbreitet ist, sein Können durch einen Vormittags- oder Tageskurs nachhaltig verbessern zu können. Das stimmt so einfach nicht und viele Stürze passieren, weil man zu schnell zu viel will.“
Ohne regelmäßig Training geht es also nicht?
Rafaella Wieschollek: „Genau. So wie man an einem Tag keine Sprache lernt und auch nicht Gitarre spielen lernt, ist es auch beim Mountainbiken. Man muss die vermittelten Skills regelmäßig üben, auf dem Gelernten aufbauen und braucht entsprechendes Feedback, welche Fehler man macht und was man verbessern kann. All das können klassische Fahrtechnik-Kurse nur sehr begrenzt nicht bieten. Bei Youtube-Tutorials hat man zwar die entsprechende Flexibilität und kann das Gezeigte mehrfach anschauen, bekommt aber kein individuelles Feedback und keine schrittweise Übungsanleitung.“
Bei eurem Konzept ist beides gegeben?
Rafaella Wieschollek: „Richtig. In unseren Kursen bekommen die Teilnehmer*innen schrittweise, praktische Übungslektionen, die aufeinander aufbauen, klare Anleitung wo, wie und was geübt werden soll und sie haben uns als Personal Coaches direkt in der Hosentasche dabei, um detailliert und individuell Feedback per Videoanalyse zu bekommen. Bei uns gibt es ein Standardprozedere, wir gehen individuell auf unsere Teilnehmer ein - was das Trainingskonzept sicher und nachhaltig macht - vor allem für Hobbysportler im Erwachsenenalter.“
Man kann also auch als Späteinsteiger noch ein richtig guter Mountainbiker werden?
Rafaella Wieschollek: „Auf jeden Fall. Klar tut man sich leichter, wenn man mit 15 Jahren anfängt, aber wir haben etliche Teilnehmer jenseits der 60, die mit uns lernen Tables zu springen oder den Bunny Hop mit dem E-MTB zu beherrschen. Man muss sich aber von der Illusion verabschieden, die Skills nebenbei an einem Vormittag zu lernen.“
Wie lang sollte man den wöchentlich trainieren, um weiterzukommen?
Rafaella Wieschollek: „Eine halbe Stunde bis Stunde konzentriertes Training pro Woche bringt schon enorme Fortschritte. Die Einheiten kann man ideal am Anfang einer Tour einbauen oder in der Mittagspause.“
Wie wichtig ist das Material?
Rafaella Wieschollek: „Klar macht das Biken mit einem guten Bike mit viel Federweg Spaß und alles etwas einfacher. Trotzdem: 80 Prozent sind Skills, 20 Prozent Ausrüstung. Das beste Material macht noch lange keinen guten Mountainbiker.“
Bilder: Roxybike