Profi-Tipps für Tourengeher

Patrick Ribis, Leiter des Freeride-Center Stubaital, weiß, worauf es ankommt

Gerade in diesen Zeiten ist Flexibilität wichtig – aber nicht nur dann. Warum das so ist, was er immer im Rucksack hat und warum Abstände schon vor Corona eine gute Idee waren, verrät Patrick Ribis in diesen 5 Tipps für Tourengeher. Skitouren gibt es rund um Innsbruck wie Sand am Meer.
„Das Eldorado für Wintersport erlebt in dieser Saison gerade abseits der Pisten erneut einen starken Zuwachs an Freizeitsportlern“ ist sich Patrick Ribis sicher. Der jahrelange Boom verstärkt sich, das Vergnügen bringt neben den vielen positiven Aspekten für die Gesundheit auch viele Nutzungskonflikte mit sich.
Deshalb: „Wer auf der Suche nach naturnaher und konfliktfreier Erholung in unseren Bergen unterwegs sein will, der sollte sich im Vorfeld sehr gut informieren. Am besten bei einem gut ausgebildeten Guide vor Ort“, sagt Patrick Ribis. „Für mich selbst sind Skitouren die intensivste Art, unsere Berge im Winter zu erleben. Dabei gilt es jedoch immer, ein paar wichtige Punkte zu beachten.“

5 Tipps von Patrick Ribis:

1. Trotz Planung spontan bleiben!

Eine gewisse Spontanität war für Tourengeher vor Corona schon wichtig, jetzt ist sie noch viel wichtiger geworden. Ich persönlich entscheide erst am Morgen um spätestens sieben Uhr wo es hingeht. Erst der Blick auf die Webcam oder die Messstation lässt mich die am Vortag geplanten Optionen neu bewerten und eine solide Entscheidung finden. Damit kann man auf Wetterlagen, wie zum Beispiel Föhn, kurzfristig reagieren und somit Schneequalität und Lawinengefahr besser einschätzen. Eine tragende Rolle spielt dabei speziell der Rucksack. Dieser ist bei mir immer am Vorabend für alle potenziellen Spektakel fix und fertig gepackt.

2. Als Neuling sollte man sich lenken lassen!

Die besten Tourenvorschläge findet man direkt auf unseren zahlreichen Tourismus-Portalen. Dort sind viele Probleme, wie zum Beispiel das Parken oder die Wildschutzzonen, schon beschrieben. Diese Lenkung bringt Anfängern gleich mehrere Vorteile. Meist findet man eine solide Beschilderung und eine vernünftige Spur. Wer jetzt noch früh morgens startet, der wird wahrscheinlich vor einem Massenansturm, den es bei manchen Touren immer wieder gibt, am Berg stehen und das Panorama genießen. Wer etwas Spezielleres sucht oder sich nicht ganz sicher ist, sollte die Dienstleistungen eines Profis in Anspruch nehmen. Ein lokaler Bergführer bringt Spaß, Erlebnis und sorgt durch seine Erfahrung für die richtige Tourenwahl. Dadurch wird so ein Tag ein sinnvolles Investment in die eigene Lernkurve.

3. Abstand Halten!

Auch vor Corona galt auf Skitouren schon immer die Regel: Abstand halten! Der Lawinengefahr wegen. Das ist die dringlichste Maßnahme für Sicherheit. Die Schneedecke abseits der präparierten und kontrollierten Pisten ist ein fragiles System aus Kristallen. Mit zunehmender Steilheit steigt das Risiko einer Verschüttung durch die am Hang oder oberhalb befindlichen Schneemassen. Zu wenig Abstand kann bei einem Lawinenabgang fatalerweise auch schwindende Ressourcen bei der Rettung bedeuten. Großzügige Abstände bringen neben Sicherheit auch ein entschleunigtes Erlebnis. Die Wahrnehmung für Gefahrenzeichen steigt zudem, wenn einem nicht dauernd jemand hinten auf die Ski steigt.

4. Immer etwas Warmes im Rucksack!

Ich liebe es, aus der Thermoskanne eine frische heiße Rindsuppe zu genießen. Eine warme Jacke und T-Shirt zum Wechseln habe ich auch immer dabei. Verschwitzt verkühlt man sich leicht, darauf kann man verzichten.

5. Skifahren ernst nehmen!

Jeder sollte an seiner Skitechnik feilen und am besten macht man das vor der ersten Tour auf der präparierten Piste. Bevor man eine Tour beginnt, sollte man sportlich und flüssig auch auf schwarzen Pisten fahren können. Man darf beim Tourengehen nicht außer Acht lassen, dass sich die Anstrengung beim Aufstieg durchaus auch negativ auf die Abfahrtsperformance auswirken kann. Dies birgt Risiken, die es zu vermeiden gilt.

Infos

Zur Person:
Patrick Ribis ist seit 2008 staatlich geprüfter Berg- und Skiführer und betreibt das Freeride-Center Stubai. Skitouren und Freeriden  sind seine Leidenschaft und neben seiner kleinen Familie sein
Lebensmittelpunkt.

www.freeride.center