Fokus auf Licht und Leidenschaft

Caja Schöpf war 45 Tage in der norwegischen Polarnacht unterwegs. Ihr Film „45 Days - Sensing The Polar Night“ ist eine Liebeserklärung an den Winter – und das Licht

von Emily-Sophie Henne, Steffen Müller

Caja Schöpf fragt sich, wie es ist, 45 Tage lang ohne Sonne zu leben. Um Antworten zu finden, reist sie ins nordnorwegische Tromsø – 350 km nördlich des Polarkreises – und trifft dort auf pure Lebenslust. Caja Schöpf, Psychologin und ehemalige Freeski-Weltcupfahrerin, begegnet Menschen, die Licht ganz anders denken – und dabei beeindrucken. Wir sprachen mit Caja Schöpf über den Film, ihre Erlebnisse und den Vorteil, schon am Startpunkt einer Skitour über der Baumgrenze zu sein. 

Wie wirkt sich die Dunkelheit auf dich aus?

Caja Schöpf: „Glücklicherweise habe ich die Dunkelheit noch nie als etwas sehr Negatives wahrgenommen. Aber ich kann es verstehen, dass die dunkle Jahreszeit einem aufs Gemüt gehen kann. Ich brauche vielleicht eine knappe Woche, dann habe ich mich wieder an Sport nach der Arbeit mit Stirnlampe gewöhnt. Dafür bin ich zu gerne draußen, als dass ich mir das von der dunkleren Jahreszeit nehmen lassen würde. Und außerdem tut es mir auch mal gut, zur Ruhe zu kommen und es sich daheim vor dem Ofen gemütlich zu machen. In Norwegen ist das natürlich etwas anderes, wenn es wie in Tromsø  45 Tage fast ausschließlich dunkel ist.“ 

Was fasziniert dich am hohen Norden besonders?

Caja Schöpf: „Ich liebe die Kombination aus rauen Bergen, sanftem Fjell und kaltem Meer mit weißen Sandstränden. Die Kontraste sind einzigartig und gerade in der Polarnacht ist das Lichtspiel etwas sehr Besonderes. Außerdem kann man Skitouren und Wanderungen gleich oberhalb der Baumgrenze starten, das genieße ich sehr.“

Wie entstand die Idee, einen Film über die Polarnacht zu drehen?

Caja Schöpf: „Wir haben uns nach vielen Reisen in den hohen Norden oft gefragt, wie es wohl wirklich ist, wenn die Sonne nicht mehr auf geht. Wie dunkel wird es? Was macht die Natur? Wie geht es einem selbst, psychisch und physisch? Ist es wirklich so trist und melancholisch wie wir zu Hause alle denken? Wie fühlen die Menschen, die dort leben? Wie ist das Leben? Also reisten wir 2022 selbst in der Polarnacht nach Tromsø . Wir sprachen dort mit Freunden, wir waren auf Skitour, wir erlebten die Faszination aus Licht und Dunkelheit. Und wir lernten, warum der erste Schnee in der Polarnacht so wichtig ist. Nach vielen Nachfragen von zu Hause, entstand die Idee – „Licht ins Dunkle“ zu bringen.“

Was hat das Filmprojekt über die Polarnacht dich gelehrt?

Caja Schöpf: „Ich muss da immer an drei Botschaften der Hauptcharaktere denken. Espen Nordahl, der mir von den Kontrasten erzählte und davon, dass es wichtig ist, sich auf das Licht zu fokussieren. Dabei zitierte er Leonard Cohen ‘There is a crack, a crack in everything. That‘s how the light gets in‘. Eine schöne Metapher auch fürs Leben, den Fokus auf die positiven Dinge lenken. Irgendwas gibt es immer das schön und hell ist. Dann Kari Schiebevaag, mit der ich über Dankbarkeit sprach. ‚Tusen Takk‘ – Danke sagen zum Leben, zu Freunden oder Fremden. Und zuletzt die Alpinistin Aniek Lith. Sie betont, dass es wichtig ist eine Leidenschaft zu haben, die einen antreibt. Egal was. Und auf der anderen Seite wie wichtig es ist auch mal zur Ruhe zu kommen, Freunde treffen und es sich ‚hygge‘ machen. Das sind drei Botschaften, die mich über den Filmdreh hinaus viel begleiten.“

Was ist die größte Umstellung für dich als Outdoor-Athletin, wenn es keinen Tag und keine Nacht gibt?

Caja Schöpf: „Es gibt ja Tag und Nacht. Man muss nur mehr auf seinen Biorhythmus achtgeben und sich Wecker stellen, Lichter anmachen und die Stirnlampe nicht vergessen. Der größte Unterschied ist sicherlich das Timing – den Tag und das Licht nutzen. Man hat Helligkeit, nur eben kein Sonnenlicht. Und die Helligkeit ist limitiert auf ein paar Stunden. Man lernt aber dafür, die Zeit noch mal mehr zu schätzen – was sicherlich ein schöner Effekt ist.“ 

Hast du einen Tipp für jene, denen bereits die mitteleuropäische ‚dunkle Jahreszeit‘ zu schaffen macht?

Caja Schöpf: „Definitiv erst mal Akzeptanz. Wir können nichts daran ändern und Jammern hilft einem oft nicht weiter, sondern machts eher schlimmer. Dann auf jeden Fall eine gute Stirnlampe kaufen, damit macht es sogar richtig Spaß zu Laufen, wenn man den eigenen Atem sieht. Routinen können auch helfen, wie beispielsweise zweimal die Woche abends oder morgens draußen Sport machen, sich daran gewöhnen und sich mit dem angenehmen Gefühl danach belohnen. Mit Freunden etwas ausmachen, um nicht allein rausmüssen. Soziale Aktivitäten wie gemeinsam Kochen, Backen oder es sich zu Hause mit mehr Lichtern und Kerzen gemütlich machen. Sowie die Natur und Tiere den Winter brauchen, um sich zu erholen würde es der Gesellschaft auch guttun, die Dunkelheit als Chance zu mehr Erholung zu sehen. Loslassen und weniger getrieben sein.“

Was war dein persönliches Highlight der Reise?

Caja Schöpf: „Sicherlich das perfekte Timing mit viel Neuschnee und dem guten Wetter. Gutes Wetter bedeutet in dem Fall keine Sonne, aber klare kalte Himmel mit unfassbar schönen Lichtstimmungen. Lila und Pink im Norden und Gelb und Orange im Süden. Wir hatten da sicherlich auch ein Quäntchen Glück, denn wenn es keinen Schnee gibt, fehlt auch die Reflexion und es ist wirklich dunkel. Auch wenn es bewölkt ist, kann es schon auch triste Tage geben. Dann muss man eben noch mehr Zimtschnecken essen und Kaffee trinken.“

Wie sieht euer nächstes Film-Projekt aus? 

Caja Schöpf: „Das steht noch in den Sternen. Aber nutzt gerne die Chance unseren Film auf dem AlpenFilmFestival zu sehen, dort gibt es zum Schluss einen Cliffhanger. Mal sehen, ob die nächste Idee in diese Richtung geht.“

Fragen von Emily-Sophie Henne 
und Steffen Müller 

Infos

45 DAYS – Sensing the Polar Night

von Caja Schöpf & Andreas Hartmann
Sprache: Englisch, Norwegisch mit Untertiteln
Länge: 30 Minuten
Alpen Film Festival Termine: https://www.alpenfilmfestival.de/termine/ 

Trailer: https://youtu.be/wpzJyx5015U?si=QWhQtrVTY8ZkWnRj

 

Die Polarnacht:

Polarnacht in Tromsø: 
27. November bis 15. Januar

Polarnacht Essentials: 
Stirnlampe, Handwärmer und Thermoskanne für draußen und Zimtschnecken und gute Bücher für drinnen. 

Skitourenguide rund um Tromsø:
„Skitouring in Troms“ von Espen Nordahl