man gemeinsam am Tisch sitzt, sich aus- tauscht und sich den Käse auf der Zunge zergehen lässt. Ganz entspannt genießen In seiner klassischen Variante „moitié- moitié“ besteht es aus einer Mischung aus Gruyère AOP und Vacherin Fri- bourgeois AOP. Zwei Käsesorten mit eigener Geschichte, eigenem Aroma, eigener Konsistenz – und doch per- fekt füreinander gemacht. Zusammen ergeben sie eine cremige, aromatische Mischung, die mit würzigem Weißbrot und kleinen Kartoffeln genossen wird. Als Ergänzung zum herzhaften Genuss, passt die Säure der kleinen Essiggürk- chen und der Silberzwiebeln. Käsetradition auf der Alp Bevor das Fondue jedoch auf dem Tisch steht, beginnt seine Geschichte in den Käsereien der Region – so auch bei François Kolly und seiner traditionellen Alpkäserei in Moléson, auf 1100 Meter Höhe im Kanton Fribourg. Im „Trintsâbyo“, wie der Raum mit dem kupfernen Käsekessel im lokalen Greyer- zer Patois heißt, knistert das Holzfeuer. Früher standen - nur durch eine Wand getrennt - auf der anderen Seite die Kühe, die direkt gemolken wurden. Heute ist der Platz für Besucher re- serviert, die in den Sommermonaten miterleben können, wie aus frischer Rohmilch der würzige und doch cremige Gruyère entsteht. Dunkel gefärbte Holzbalken, jahrzehntelang genutztes Handwerks- zeug und zwei große Kupferkessel über offenem Feuer – hier begegnen sich Geschichte und Handwerk. Zunächst erwärmt François Kolly die frische Milch im Kessel auf etwa 32 °C und gibt dann das Lab hinzu. Nach dem Eindicken wird die Masse geschnitten und weiter erhitzt – auf rund 54 bis 56 °C. Wenn die Korngröße des Käsebruchs passt, ist der Moment gekommen, ihn aus dem Kessel zu heben. Kolly kühlt seine DER KÄSE DARF IN RUHE REIFEN Blick in den Reifekeller. Arme im eiskalten Quellwasser, bevor er – an diesem Tag allein in der Käserei – mit einem Tuch, seinen Händen und Zähnen den Bruch aus dem Kupferkes- sel hebt. Heißer Dampf und Holzrauch mischen sich in der Luft, während der Käsebruch zunächst in Formen gepresst wird. Anschließend werden die Laibe erneut in ihre runde Form gebracht und in die Presse gesetzt. Für die Käselai- be geht es dann zwischen 8 und 24 Stunden – je nach Käse – in ein Salzwasserbad. Erst dann beginnt die Reifung. Dazu braucht es Ruhe und Zeit. In langen Regalreihen lagert der Käse im Reifekeller. Hier ist die Arbeit des Käsers noch lange nicht zu Ende. Regelmäßig dreht er die Laibe und reibt sie mit einer Bürste ab. Im Keller reift der Käse manchmal über ein Jahr, bevor er angeschnitten wird. Der würzige Duft ist - zumindest für Käseliebhaber - verlockend und macht Lust, eine der vielen Käsespezialitäten zu verkosten, die seit 1684 von der Familie Kolly auf der Alp hergestellt werden. Annette Nüßle WEIN & GENUSS GENUSS AUS DEM KANTON FRIBOURG Im Kanton Fribourg (Freiburg) gibt es insgesamt sechs sogenannte AOP Produkte. AOP steht für Appel- lation d’Origine Protégée (g.U. – ge- schützte Ursprungsbezeichnung). Das bedeutet, dass die Produkte, die diese Bezeichnung tragen nur in einer klar definierten Region her- gestellt werden. Dazu gehören: Gruyére AOP (klassischer Hartkäse aus Rohmilch) Vacherin Friboureois AOP (halb- harte, schmelzende Käsesorte) Cuchaule AOP (Brioche-Brot mit Safran) Poire à Botzi AOP (kleine historische Birnensorte) Jambon de la Borne AOP (geräucherter Schinken) Boutefas AOP (Rohwurst/Salsiz- ähnliche Wurstspezialität) Der Gruyère d’Alpage AOP wird nur von Mitte Mai bis Mitte Oktober auf den Alpen produziert. Sein feiner, charaktervoller Geschmack mit oft leicht salziger Note entsteht durch die vielfältigen alpinen Weiden, die Kräuter der Höhenlagen und die hochwertige Rohmilch der Kühe. Den Zusatz „Alpage“ trägt ein Gruyère ausschließlich dann, wenn seine Herstellung traditionell über dem Holzfeuer erfolgt. Fromagerie d’alpage de Moléson Place de l’Aigle 12 1663 Moléson-sur-Gruyères www.moleson.ch/de/fromagerie- dalpage/ (Von Mai bis Oktober geöffnet) www.abenteuer-magazine.de | 37